
Ein Sattelpad mit Paraffinöl-Einsätzen soll das Pferd während des Reitens kühlen. Eine aktuelle Studie untersuchte, ob das System sicher ist und tatsächlich einen messbaren Kühleffekt erzielt. / Foto: privat
Kühlung unter dem Sattel: Hilft ein Paraffinöl-Pad dem Pferd wirklich?
20. August 2026
Wenn Pferde bei warmem Wetter geritten werden, ist Hitze ein wichtiges Thema. Ein neues Sattelpad mit Paraffinöl-Einsätzen soll während des Reitens für Kühlung sorgen. Doch funktioniert das tatsächlich – und ist die Kühlung für das Pferd sicher? Eine Studie hat genau das untersucht.
Wer schon einmal ein Pferd an einem heißen Sommertag gearbeitet hat, kennt das Bild: Das Fell ist nach dem Reiten schweißnass, die Atmung geht schneller und der Pferdekörper fühlt sich deutlich wärmer an. Gerade bei sportlicher Belastung muss das Pferd seine Körperwärme möglichst effektiv wieder abgeben können.
Eine mögliche technische Lösung kommt nun direkt unter den Sattel: Ein spezielles Sattelpad enthält Paraffinöl-Einsätze, die Wärme aufnehmen und dadurch eine kühlende Wirkung erzeugen sollen.
Doch bevor solche Systeme im Alltag eingesetzt werden, stellt sich eine wichtige Frage: Ist die Kühlung überhaupt sicher für das Pferd?
Genau dieser Frage gingen Forschende in einer aktuellen Untersuchung nach.
Sieben Pferde, zwei verschiedene Pads
Für die Studie wurden sieben Pferde aus dem Amateur-Springsport untersucht. Jedes Pferd absolvierte zwei Trainingseinheiten von jeweils 20 Minuten.
Einmal wurde ein herkömmliches Sattelpad verwendet, beim zweiten Training kam das Pad mit den Paraffinöl-Einsätzen zum Einsatz.
Die Wissenschaftler beobachteten dabei verschiedene Faktoren. Dazu gehörten unter anderem die Herzfrequenz, das Verhalten der Pferde und die Temperatur im Bereich des Pferderückens. Zusätzlich wurden Wärmebilder mit einer Wärmebildkamera angefertigt.
Damit wollten die Forschenden nicht nur wissen, ob das Pad kühlt. Sie wollten vor allem herausfinden, ob die spezielle Konstruktion möglicherweise Druck, Beschwerden oder sogar Schmerzen verursacht.
Kein Hinweis auf Schmerzen
Das Ergebnis ist zunächst beruhigend.
Während der Untersuchung zeigten sich keine Hinweise darauf, dass das Paraffinöl-Pad den Pferden Schmerzen oder deutliche Beschwerden verursachte.
Auch bei der Herzfrequenz konnten die Wissenschaftler keinen relevanten Unterschied zwischen dem normalen Sattelpad und dem Kühlpad feststellen.
Die thermografischen Aufnahmen zeigten ebenfalls keine auffälligen Veränderungen, die auf eine problematische Druckverteilung oder eine unerwünschte Belastung des Rückens hindeuteten.
Auch Verletzungen der Haut oder Anzeichen einer zu starken Kälteeinwirkung wurden nicht festgestellt.
Das bedeutet: Unter den Bedingungen dieser Untersuchung erwies sich das Kühlsystem als gut verträglich.
Aber kühlt es wirklich besser?
Hier wird es spannend.
Denn die Studie beantwortet nicht nur die Frage nach der Sicherheit. Sie wollte auch herausfinden, ob das spezielle Pad tatsächlich einen messbaren Vorteil gegenüber einem normalen Sattelpad bietet.
Und genau hier fällt das Ergebnis deutlich zurückhaltender aus.
Ein klarer zusätzlicher Kühleffekt konnte nicht nachgewiesen werden.
Die untersuchten physiologischen Werte unterschieden sich zwischen den beiden Pads nicht signifikant. Auch die Wärmebilder lieferten keinen eindeutigen Beleg dafür, dass das Paraffinöl-Pad den Pferderücken deutlich stärker abkühlt.
Das ist ein wichtiger Unterschied:
Die Studie zeigt, dass das System unter den getesteten Bedingungen offenbar sicher ist. Sie beweist aber nicht, dass es das Pferd deutlich besser kühlt.
Was steckt hinter dem Paraffinöl?
Das Prinzip ist aus der modernen Kühltechnik bekannt. Paraffin kann als sogenanntes Phasenwechselmaterial Wärme aufnehmen.
Vereinfacht gesagt: Das Material verändert seinen Zustand und nimmt dabei Energie in Form von Wärme auf. Dadurch kann für eine gewisse Zeit eine kühlende Wirkung entstehen.
Das klingt zunächst nach einer cleveren Lösung. Doch bei einem lebenden Pferd ist die Situation komplizierter. Der Pferdekörper produziert während der Bewegung ständig neue Wärme. Gleichzeitig beeinflussen Außentemperatur, Luftfeuchtigkeit, Bewegung, Fell, Schweiß und Sattel die Wärmeabgabe.
Ein kleines Kühlsystem unter dem Sattel kann deshalb nicht automatisch den gesamten Wärmehaushalt des Pferdes beeinflussen.
Kleine Studie – deshalb keine großen Versprechen
Bei der Interpretation der Ergebnisse ist außerdem Vorsicht angebracht.
An der Untersuchung nahmen lediglich sieben Pferde teil. Die Trainingseinheiten dauerten jeweils nur 20 Minuten. Daraus lassen sich keine sicheren Aussagen darüber ableiten, wie sich das Pad bei längeren oder deutlich intensiveren Trainingseinheiten verhält.
Auch extreme sommerliche Bedingungen wurden damit nicht automatisch abgedeckt.
Ob ein solches System beispielsweise bei hohen Temperaturen und hoher Luftfeuchtigkeit während eines längeren Trainings einen relevanten Vorteil bringt, müsste in weiteren Untersuchungen geklärt werden.
Was bedeutet das für Reiter?
Die Studie liefert vor allem eine interessante Erkenntnis: Technische Kühlung direkt unter dem Sattel scheint grundsätzlich möglich zu sein, ohne dass in dieser kleinen Untersuchung offensichtliche Probleme für das Pferd auftraten.
Von einem nachgewiesenen großen Kühlungseffekt ist man allerdings noch entfernt.
Für Reiter bedeutet das: Ein solches Pad sollte nicht als Ersatz für grundlegendes Hitzemanagement verstanden werden.
Bei hohen Temperaturen bleiben ausreichend Pausen, eine angemessene Trainingsintensität, Zugang zu Wasser und eine gute Möglichkeit zur Wärmeabgabe entscheidend. Auch die individuelle Situation des Pferdes muss berücksichtigt werden.
Sicherheit ist nicht dasselbe wie Wirksamkeit
Vielleicht ist das die wichtigste Botschaft der Studie.
Ein Produkt kann sicher und gut verträglich sein, ohne dass seine beworbene Wirkung bereits eindeutig wissenschaftlich belegt ist.
Genau deshalb sind solche Untersuchungen wichtig. Sie helfen dabei, zwischen einer interessanten technischen Idee und einem tatsächlich nachgewiesenen Nutzen zu unterscheiden.
Das Paraffinöl-Sattelpad ist also ein spannender Ansatz. Ob es das Pferd beim Reiten tatsächlich deutlich besser vor Überhitzung schützt, bleibt dagegen eine Frage für weitere Forschung.
Für den Moment lautet das wissenschaftlich faire Fazit: Das Kühlsystem zeigte sich in der kleinen Untersuchung als sicher – einen deutlichen zusätzlichen Kühleffekt konnte die Studie jedoch nicht belegen.
Quelle: Porzio E., Guidoni K., Cappelli K., Beccati F. „Evaluation of safety and the welfare of the horse in the use of a saddle pad with paraffin-oil inserts during ridden exercise“, Journal of Equine Rehabilitation, 2025.
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