
Pferde gehören seit Jahrzehnten zum Kölner Rosenmontagszug. Doch ihre Rolle verändert sich: Künftig sollen bei mehreren Traditionskorps Traktoren die Wagen ziehen.
Kölner Karneval ohne Pferde vor den Wagen: Eine Tradition verändert sich
14. September 2026
Die EhrenGarde setzt künftig auf Traktoren – doch die Reiter bleiben
Pferde gehören seit mehr als hundert Jahren zum Bild des Kölner Rosenmontagszugs. Besonders die Traditionskorps mit ihren prächtigen Uniformen, Reitern und Kutschen sind für viele Zuschauer ein fester Bestandteil des kölschen Karnevals.
Doch dieses Bild verändert sich. Die EhrenGarde der Stadt Köln 1902 will beim kommenden Rosenmontagszug 2027 ihre Wagen nicht mehr von Pferden ziehen lassen. Stattdessen sollen Traktoren zum Einsatz kommen. Auch die Altstädter Köln wollen den Einsatz von Pferden vor ihren Wagen schrittweise reduzieren.
Die Pferde verschwinden damit allerdings nicht vollständig aus dem Kölner Zoch.
Die EhrenGarde zieht die Konsequenz aus den Wetterproblemen
Der Schritt kommt nicht völlig überraschend. Beim Rosenmontagszug 2026 mussten Pferde wegen einer Unwetter- beziehungsweise Sturmwarnung vorzeitig aus dem Zug genommen werden.
Für die Verantwortlichen ist genau das ein großes Problem: Ein Karnevalswagen, der normalerweise von Pferden gezogen wird, lässt sich nicht innerhalb weniger Minuten auf einen Traktor umstellen. Dafür sind teilweise Umbauten an den Wagen notwendig.
Die EhrenGarde möchte deshalb mehr Planungssicherheit. Mit Traktoren kann wesentlich schneller reagiert werden, wenn sich die Wetterlage verändert.
Auch die inzwischen umfangreichen Sicherheitsauflagen spielen eine Rolle. Nach Angaben der EhrenGarde sind unter anderem die Anforderungen an die Wagen komplizierter geworden. Dazu gehört auch das zulässige Ladegewicht.
Die Entscheidung sei dabei nicht als Abschied von der Reiterei gedacht. Im Gegenteil: Die Reiter sollen weiterhin Teil des Rosenmontagszugs sein. Die EhrenGarde bezeichnet die Reiterei als Teil ihrer Geschichte und ihrer Identität.
Seit 1902 gehören die Reiter der EhrenGarde zum Zoch
Die Verbindung der EhrenGarde mit dem Rosenmontagszug reicht weit zurück.
Die Gesellschaft wurde 1900 als Reiterkorps gegründet. 1902 nahm sie erstmals am Rosenmontagszug teil. Damals erkämpfte sich die junge Reitergruppe auf ungewöhnliche Weise ihren Platz im Zug: Eine abgesprochene Wagenpanne von Bauer und Jungfrau machte es möglich, dass die EhrenGarde sich in den Zug einschleusen konnte.
Daraus entstand auch der bis heute bekannte Schlachtruf „Rubbedidupp“.
Seitdem sind die Reiter der EhrenGarde fester Bestandteil des Kölner Rosenmontagszugs.
Die Geschichte erklärt deshalb auch, warum die aktuelle Entscheidung keineswegs bedeutet, dass die EhrenGarde künftig ohne Pferde unterwegs sein möchte.
Auf der eigenen Internetseite beschreibt sich die EhrenGarde weiterhin ausdrücklich als Reiterkorps. Das aktive Korps tritt unter anderem als Reitergruppe im Rosenmontagszug auf.
Aus rund 500 Pferden wurden etwa 230
Wie stark sich der Einsatz von Pferden im Kölner Rosenmontagszug bereits verändert hat, zeigt ein Blick auf die vergangenen Jahre.
Früher gehörten bis zu etwa 500 Pferde zum großen Kölner Karnevalszug. Inzwischen ist ihre Zahl deutlich zurückgegangen.
Beim Rosenmontagszug 2026 waren noch rund 230 Pferde dabei. Vor dem Start wurden alle Tiere von Amtstierärztinnen und Amtstierärzten untersucht. Dabei wurden unter anderem Allgemeinzustand, Pflegezustand, Augen und Gangbild kontrolliert.
Zusätzlich führt die Stadt Köln stichprobenartige Doping- und Sedativatests durch. Damit soll verhindert werden, dass Pferde vor ihrem Einsatz im Karneval medikamentös ruhiggestellt werden.
Die Entwicklung zeigt: Der Einsatz von Pferden im Karneval wird heute wesentlich stärker kontrolliert als früher.
Warum Traktoren für die Korps praktischer sind
Für die Karnevalsgesellschaften hat der Einsatz von Traktoren einen weiteren Vorteil: Die Fahrzeuge können unabhängig von den Bedingungen eingesetzt werden, unter denen Pferde aus Sicherheitsgründen nicht mehr teilnehmen dürfen.
Starker Wind, Sturmwarnungen oder andere schwierige Wetterlagen können kurzfristige Entscheidungen erforderlich machen.
Für die Verantwortlichen bedeutet ein Traktor deshalb vor allem mehr Flexibilität.
Bei Pferden sieht die Situation anders aus. Die Tiere können nicht einfach kurzfristig durch ein anderes Zugmittel ersetzt werden. Die Sicherheit der Pferde steht dabei ebenso im Mittelpunkt wie die Sicherheit der Menschen am Straßenrand und im Zug.
Die EhrenGarde möchte deshalb die Aufgaben stärker trennen: Pferde für die Reiterei – Traktoren für die Wagen.
Auch die Altstädter stellen um
Die EhrenGarde ist mit diesem Schritt nicht allein.
Auch die Altstädter Köln wollen ihre Kutschpferde nach und nach durch Traktoren ersetzen. Nach aktuellen Angaben soll die Umstellung bis 2028 weitgehend abgeschlossen sein. Eine Ausnahme soll die kleine Mariechen-Kutsche bilden, die weiterhin von zwei Pferden gezogen werden soll.
Damit zeichnet sich bei den Traditionskorps ein grundsätzlicher Wandel ab.
Das Pferd soll weiterhin zum Erscheinungsbild gehören – allerdings zunehmend als Reitpferd und nicht mehr unbedingt als Zugpferd vor schweren Wagen.
Tierschutz bleibt ein Streitpunkt
Die Diskussion um Pferde im Kölner Karneval ist damit allerdings nicht beendet.
Tierschutzorganisationen kritisieren den Einsatz von Pferden in den großen Menschenmengen weiterhin. Aus ihrer Sicht sind die Tiere Lärm, dicht gedrängten Menschen, Musik, Kamelle und unübersichtlichen Situationen ausgesetzt.
Die EhrenGarde sieht ihren aktuellen Schritt dagegen nicht als Reaktion auf diese Kritik. Pressesprecher Benedikt Conin betonte gegenüber dem WDR, dass die Reiterei weiterhin zur Identität der EhrenGarde gehöre.
Damit prallen zwei Sichtweisen aufeinander: Für die einen gehört das Pferd untrennbar zum historischen Erscheinungsbild des Kölner Karnevals. Für die anderen haben Pferde in einem modernen Großstadtumzug grundsätzlich nichts zu suchen.
Das Pferd bleibt – aber seine Rolle verändert sich
Vielleicht liegt genau hier die wichtigste Entwicklung.
Der Kölner Karneval verabschiedet sich nicht plötzlich von seinen Pferden. Vielmehr verändert sich ihre Rolle Schritt für Schritt.
Aus dem Pferd, das früher selbstverständlich eine Kutsche oder einen Wagen durch die Stadt zog, wird zunehmend das Reitpferd, das gemeinsam mit seinem Reiter die Tradition der Korps repräsentiert.
Für Pferdefreunde ist das eine interessante Entwicklung. Denn sie zeigt, wie sich eine jahrhundertealte Verbindung zwischen Mensch, Pferd und Brauchtum an moderne Anforderungen anpassen kann.
Beim Rosenmontagszug 2027 wird deshalb vieles vertraut aussehen – Uniformen, Reiter, Musik und die großen Wagen. Doch wer genauer hinschaut, dürfte einen Unterschied bemerken:
Vor manchen Wagen stehen künftig keine Pferde mehr, sondern Traktoren.
Der Rosenmontagszug selbst findet 2027 am Montag, 8. Februar, statt.
Die Entwicklung in Köln ist auch aus Sicht der Pferdehaltung interessant. Sie zeigt, dass Tradition nicht zwangsläufig bedeutet, alles unverändert zu lassen. Gleichzeitig stellt sich die Frage, welche Rolle Pferde künftig bei Veranstaltungen spielen sollen – und unter welchen Bedingungen ihr Einsatz verantwortbar ist.
Die Diskussion dürfte deshalb auch über Köln hinaus weitergehen.
Quellen: EhrenGarde der Stadt Köln, Festkomitee Kölner Karneval, Stadt Köln, WDR, Kölner Stadt-Anzeiger. Die aktuellen Angaben zur Umstellung und zum Pferdeeinsatz stammen insbesondere aus den Berichten vom September 2026.
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