
Ponys haben maximal ein Stockmaß von 148 Zentimetern. Liegt ihre Widerristhöhe darüber, zählen sie zu den Großpferden. Wissenschaftler haben die genetischen Ursachen für die unterschiedlichen Körpergrößen bei Pferden untersucht / Foto: iStock
Das Gen, das Ponys klein hält: Wie die Körpergröße des Pferdes genetisch bestimmt wird
12. August 2026
Warum ist ein Pony klein und ein Warmblut so viel größer? Die Antwort steckt zum Teil in den Genen.
Ob Shetlandpony, Haflinger oder Hannoveraner – Pferde können ganz unterschiedlich groß werden. Manche sind kaum einen Meter hoch, andere erreichen eine Widerristhöhe von 1,70 Meter oder mehr. Aber woher kommt dieser Größenunterschied eigentlich?
Forscherinnen und Forscher der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover haben sich genau diese Frage gestellt. Dabei stießen sie auf ein Gen mit einem ungewöhnlichen Namen: LCORL. Es spielt eine wichtige Rolle dabei, wie groß ein Pferd wird. (TiHo Hannover)
Was ist überhaupt ein Gen?
Gene kann man sich vereinfacht wie kleine Baupläne im Körper vorstellen. Sie bestehen aus DNA und enthalten Informationen, die beeinflussen, wie ein Lebewesen aussieht und funktioniert.
Auch die Körpergröße wird von Genen beeinflusst. Dabei gibt es allerdings nicht nur ein einziges „Größen-Gen". Mehrere Gene wirken zusammen. LCORL ist eines davon – und bei Pferden hat es einen besonders großen Einfluss.
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LCORL: Der Größenregler
Die Wissenschaftler untersuchten tausende genetische Unterschiede zwischen kleinen und großen Pferden. Dabei fanden sie eine bestimmte Veränderung in der Nähe des LCORL-Gens.
Das Spannende: Bei größeren Pferden wird LCORL offenbar weniger stark abgelesen als bei kleineren Pferden. Die Forscher vermuten deshalb, dass LCORL das Wachstum begrenzt: Je stärker das Gen aktiv ist, desto kleiner kann das Pferd bleiben. (TiHo Hannover)
Man kann sich das ungefähr wie einen Dimmer vorstellen. Ist das Gen stärker aktiv, wird das Wachstum stärker gebremst. Ist es weniger aktiv, kann das Pferd größer werden.
Pony oder Großpferd?
Bei Warmblutpferden kommt die Genvariante in unterschiedlichen Kombinationen vor. Pferde mit zwei Ponyvarianten sind eher kleiner. Tiere mit einer Pony- und einer Großpferdvariante liegen häufig im mittleren Größenbereich. Große Warmblüter tragen dagegen meist zweimal die Variante, die mit größerem Körperwachstum verbunden ist. (TiHo Hannover)
Das bedeutet aber nicht: Ein einziges Gen entscheidet ganz genau, wie groß ein Pferd wird.
Die Körpergröße ist ein kompliziertes Merkmal. Neben LCORL sind weitere Gene beteiligt. Außerdem spielen auch Faktoren wie Ernährung und Umwelt eine Rolle. Die TiHo-Forschung zeigte jedoch, dass die LCORL-Variante einen sehr großen Teil der genetischen Unterschiede bei der Körpergröße von Warmblutpferden erklären kann.
Was haben Araber und Przewalski-Pferde damit zu tun?
Besonders interessant ist ein Blick auf andere Pferde. Die ursprünglichen Przewalski-Wildpferde und auch Vollblutaraber besitzen die Variante, die mit einer kleineren Körpergröße verbunden ist. Bei einigen großen Kaltblutrassen kommt diese Ponyvariante dagegen kaum vor.
Die Verteilung der Varianten liefert den Forschern außerdem Hinweise darauf, dass sich die mit größeren Pferden verbundene Variante wahrscheinlich während der Domestikation der Pferde in Westeuropa entwickelt hat.
Warum ist das für die Pferdezucht wichtig?
Die Entdeckung ist nicht nur für die Forschung spannend. Sie kann auch für die Pferdezucht interessant sein. Denn mit einem Gentest lässt sich feststellen, welche Variante eines bestimmten Abschnitts im Erbgut ein Pferd trägt. Die TiHo bot auf Grundlage der Forschung einen entsprechenden Gentest an.
Kurz gesagt: Wenn du dich das nächste Mal fragst, warum ein Pony Ponygröße hat und ein Warmblut zu den großen Pferden gehört, liegt ein Teil der Antwort tief im Erbgut. Das LCORL-Gen ist dabei ein wichtiger Baustein – aber nicht der einzige.
Quelle: Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo), Pressemitteilung vom 14.02.2013: „Das Gen, das aus Ponys Großpferde macht". Die zugrunde liegende wissenschaftliche Arbeit wurde 2013 in PLOS ONE veröffentlicht.
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