
Der Kappzaum – heißes Eisen oder sanftes Wundermittel? / Foto: A. Thorwesten
Der Kappzaum – Zäumung mit Tradition
17. Juni 2026
Der Kappzaum ist ein wichtiges Werkzeug in der Reitkunst, dessen Wurzeln in der Renaissance und dem Barock verortet werden. Seine Idee ist klar: das Pferd sanft zu arbeiten, die Führung über den Kopf zu ermöglichen und so die Verbindung zum Pferd zu verbessern. Trotzdem bekommt der Kappzaum immer wieder ein falsches Bild verpasst. Kaum ein anderer gebissloser Zaum ist so stark mit Berührungsängsten in Verbindung gebracht. Leider – und unnötigerweise, denn es handelt sich um eine außerordentlich pferdegerechte und seit Langem bewährte Zäumung.
Wozu der Kappzaum?
Die Grundidee besteht darin, ein Pferd über den Kopf zu lenken und zu führen, während man gleichzeitig das Maul entlastet. Deshalb wird der Kappzaum in vielen modernen Ratgebern besonders für Situationen empfohlen, in denen man das Pferd sanft an Zäumung und Hilfen heranführen möchte oder wenn Gebisssensibilität eine Rolle spielt.
Zäumung mit Tradition
Der Kappzaum wird häufig mit der kavalleriellen und klassischen Zäumungstradition in Verbindung gebracht. Bereits in der frühen Neuzeit tauchten in der Reitkunst Formen von Nasenhilfen auf – etwa im Umfeld der klassischen Schulen. In der Ausbildungsliteratur wird deshalb immer wieder betont, dass Größen der klassischen Reitkunst wie Antoine de Pluvinel (1555/1552–1620) ähnliche Formen von Nasenhilfen verwendeten und in ihren Ausbildungswegen als Teil des klassischen Vorgehens verstanden.
Auch die Praxis berühmter Reitmeister zeigt die Funktion: So wird berichtet, dass Baucher den Kappzaum beim Einreiten nutzte. Dabei hielt ein Helfer das Pferd mit der Longe am Kappzaum, während der Reiter aufstieg und die ersten Runden an der Longe drehte. Baucher ließ zwar den Reiter die Zügel halten, legte jedoch Wert darauf, dass die Einwirkung ausschließlich über die am Kappzaum eingeschnallte Longe erfolgte. Der Vorteil: Das Pferd ließ sich kontrollieren, ohne das Maul durch Schmerz oder Irritation zusätzlich zu belasten.
Der französische Reitmeister Salomon de la Broue hat bereits im 16. Jahrhundert seine Pferde mit einem Kappzaum longiert. Und auch Gustav Steinbrecht setzte den Kappzaum in der Ausbildung junger Pferde gezielt ein. Er regte die Pferde bei der Arbeit an der Longe mit einem weich gepolsterten Kappzaum zu vermehrter Längsbiegung und Dehnung an. Selbst für die Arbeit an den Pilaren zäumten die alten Meister ihre Pferde zur Schonung des Mauls mit einem Kappzaum.
Schlussgedanke
Kurz: Der Kappzaum ist keine Modeerscheinung, sondern steht in einer langen Tradition. Bis heute wird er in unterschiedlichen Modellen verwendet – von funktionalen bis zu ästhetisch ansprechenden Varianten –, weil sein Grundprinzip weiterhin überzeugt: Führung über den Kopf, Entlastung des Mauls und eine Ausbildung, die das Pferd ernst nimmt.
Heute ist die Arbeit an der Longe die beliebteste Einsatzmöglichkeit für den Kappzaum. Lest in diesem Artikel mehr über den Einsatz sowie die verschiedenen Arten des Kappzaums.
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