Sattelanpassung, Druckmessung beim Sattel

Kann ein Wärmebild am Rücken oder an der Sattelunterseite zuverlässig Aufschluss über Druckbelastungen geben, oder bleibt der Zusammenhang unsicher? / Foto iStock Abramova_Kseniya

Thermografie beim Sattel – zeigt das Wärmebild wirklich Druckprobleme?

30. Mai 2026

Kann ein Wärmebild am Rücken oder an der Sattelunterseite zuverlässig Aufschluss über Druckbelastungen geben, oder bleibt der Zusammenhang unsicher? Die Ergebnisse der Studie zur Thermografie unter dem Sattel zeigen, dass Wärmebilder vor allem die Reaktion auf Bewegung widerspiegeln – nicht zwingend die Passform oder ungleichmäßige Druckverteilung unter dem Sattel.

Das bedeutet: Thermografie kann eine nützliche Ergänzung sein, ersetzt aber keine fachliche Sattelanalyse oder objektive Druckmessung. Eine fundierte Einschätzung setzt sich idealerweise aus einer qualifizierten Sattelpassform, einer Bewertung unter Bewegung (Last) und, wenn möglich, einer praxisnahen Druckmessung zusammen.

Nutzt Thermografie sinnvoll als zusätzlichen Hinweis, nicht als alleinige Entscheidungsgrundlage.

Ziel der Studie
Untersucht wurde, ob Wärmebilder (Thermografie) zuverlässig Rückenschmerz- oder Druckprobleme unter dem Sattel spiegeln. Konkret: Besteht ein direkter, messbarer Zusammenhang zwischen Druckbelastung unter dem Sattel und dem Wärmebild am Rücken bzw. an der Sattelunterseite?

Aufbau und Methodik (knapp zusammengefasst)

  • Teilnehmer: acht sportlich aktive Springpferde, jeweils geritten mit eigenem Sattel.
  • Reiter: erfahrener internationaler Springreiter (69 kg).
  • Sättel: fünf Sättel wurden von qualifizierten Sattlern der Society of Master Saddlers nach Richtlinien bewertet (2 korrekt passend, 3 zu schmal, 3 zu weit).
  • Umgebung: Winterbedingungen, 4–7 °C, Fell ungeschoren.
  • Messungen:
    • Thermografie des Rückens und der Sattelunterseite (Kamera FLIR T660, Auflösung 640×480, Messgenauigkeit ±1–2 °C).
    • Druckmessung unter dem Sattel (Pliance-System) zur Erfassung von Durchschnittsdruck, Druckspitzen, frontale/hintere und linke/rechte Unterschiede.
    • Bewegungsprüfung (Xsens) zur Sicherstellung keiner versteckten Lahmheit.
  • Ablauf pro Pferd: Baseline → 20 Min. Longieren ohne Sattel → 10 Min. Reiten mit Sattel (mit standardisierten Warm-up und Druckmessung) → Sattel abnehmen und Rückenthermografie + Thermografie der Sattelunterseite.

Wesentliche Ergebnisse

  • Druckmessung:
    • Sowohl zu schmale als auch zu weite Sättel führten zu höheren Druckspitzen im vorderen  Bereich.
    • Korrekt passende Sättel verteilten Druck tendenziell gleichmäßiger.
  • Thermografie:
    • Nach Bewegung (unabhängig davon, ob mit oder ohne Sattel) war der Rücken wärmer als im Baseline-Bild – logisch durch erhöhte Durchblutung infolge Bewegung.
    • Zwischen Longieren ohne Sattel und Reiten mit Sattel gab es keinen relevanten Unterschied im Wärmebild.
    • Bereiche mit erhöhter Druckbelastung korrelierten nicht zuverlässig mit bestimmten Wärmebildmustern.
    • Wärmebilder der Sattelunterseite spiegelten die gemessene Druckverteilung nicht zuverlässig wider.
  • Fazit der Forscher: Thermografie allein eignet sich nicht zuverlässig, um die Sattelpassform zu beurteilen. Wärmebilder zeigen vor allem die physiologische Reaktion auf Bewegung, nicht direkt den Unter­sattel-Druck oder asymmetrische Belastungen.

Kernaussagen für die Praxis

  • Thermografie kann als unterstützendes Instrument genutzt werden, ersetzt aber keine fachliche Sattelanalyse.
  • Ein gutes Sattelpassgefühl erfordert eine Kombination aus:
    • qualifizierter Sattelanalyse,
    • Beurteilung in Bewegung (unter Last),
    • idealerweise objektiver Druckmessung.
  • Wärmebilder nach dem Training können Aufschluss darüber geben, dass der Pferdarm gearbeitet hat, sagen aber wenig über Passform oder Druckverteilung aus.

Kritische Würdigung der Studie

  • Nur acht Pferde und acht Sättel – eine noch größere Stichprobe wäre wünschenswert, um Generalisierbarkeit zu erhöhen.
  • Es wurden keine Angaben dazu gemacht, ob das Pferd beim Training geschwitzt hat und ob dies den Thermografie-Verlauf beeinflusst hat.
  • Ergebnis bleibt belastbar im Sinne, dass der direkte Zusammenhang zwischen Druckbelastung und Thermografie nicht robust nachgewiesen wurde.

Was bedeutet das für Reiterinnen und Reiter?

  • Wenn du dein Pferd nach dem Reiten thermografisch betrachtest, liefert das Bild vor allem Hinweise auf die Reaktion auf Bewegung, nicht darauf, wo der Sattel zu eng oder zu weit sitzt.
  • Für eine fundierte Einschätzung der Sattelpassform sind:
    • eine qualifizierte Sattel-Analyse,
    • eine Beurteilung unter Bewegung,
    • idealerweise auch eine objektive Druckmessung,
    • und ergänzend Thermografie sinnvoll.
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„Du triffst nicht auf ein Pferd zufällig. Es ist das Schicksal, das dich zu ihm führt.“

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