
Der verursachte Druck am Pferdebein kann den Lymphabfluss behindern und langfristig empfindliche Gewebestrukturen schädigen. Die Annahme einer beabsichtigten Stützwirkung von Gamaschen oder Bandagen ist heute wissenschaftlich widerlegt./ Foto: iStock 11AFotografie
Gamaschen und Bandagen – eine ernst zunehmende Risikoquelle
27. Mai 2026
Gamaschen und Bandagen sind dazu da, die Gliedmaßen des Pferdes zu schützen. Aber ist das wirklich so? Auch wenn bei Pferden ohne Schutz an den Gliedmaßen, ein erhöhtes Risiko für „Beulen und blaue Flecken“ besteht, gibt es auch genügend Beweise dafür, dass einige Bandagen und Gamaschen die Gliedmaßen eher schädigen, die sie eigentlich schützen sollen. Eine US-Studie beleuchtet, wie Beinschutz das Temperaturgefüge und den Lymphfluss am Bein beeinflussen.
Worum es geht
Forscherteam der Middle Tennessee State University untersuchte, wie sechs verschiedene Beinschutz-Varianten während eines 20-minütigen Trainings die Temperatur und Feuchtigkeit der Gliedmaßen beeinflussen.
Untersucht wurden: traditionelle Neopren-Gamasche, perforierte Neopren-Gamasche, Gamasche aus Stomatex, Vielseitigkeits-Gamasche, Elastik-Bandage und Fleece-Bandage. Jede Variante wurde an einem Vorderbein getestet, das andere Bein diente als Kontrolle.
Kernbefunde
- Unbedeckte Gliedmaßen blieben am kühlsten; jeder Beinschutz führte zu höheren Temperaturen als kein Schutz.
- Kein Beinschutz kehrte innerhalb der anschließenden Erholungsphase von 180 Minuten zu den Ausgangswerten zurück.
- Alle Varianten erzeugten Temperaturen, die potenziell schädlich für tieferliegende Sehnenzellen sein können.
- Die Fleece-Bandage zeigte die stärksten Temperatur- und Feuchtigkeitsanstiege.
- Zwischen den einzelnen Beinschutz-Varianten gab es insgesamt keine signifikanten Unterschiede bei Temperaturanstieg, doch Designmerkmale beeinflussten die Kühlung: Stomatex war kühler, aber innenseitig eher gepolstert; die perforierte Neopren-Gamasche zeigte keinen klaren Vorteil gegenüber der traditionellen Neopren-Gamasche; die Vielseitigkeits-Gamasche hatte eine gute äußere Schutzwirkung, war innen jedoch stark gepolstert und schichtete Wärme an.
Interpretation der Ergebnisse
Die Kühlung am Pferdebein wird durch den Beinschutz beeinträchtigt, wodurch sich ein hyperthermischer Effekt bildet, der langfristig Mikroschäden an der Sehne begünstigen könnte.
Eine Konvektionskühlung, die durch passenden Materialeinsatz und Konstruktion unterstützt wird, erscheint entscheidend, um thermische Belastungen zu minimieren.
Praktische Empfehlung für Reiter und Trainer
- Abwägung: Schutz vor Traumata vs. potenzielle Überhitzung der Sehnen.
- Berücksichtigung von Umfeldbedingungen, Belastungsintensität, individuellen Bewegungsmustern des Pferdes und dem Design/Material der Beinschutzprodukte.
Allgemeine Empfehlung: Beinschutz nur so lange wie nötig tragen und nach dem Training mit kaltem Wasser abspülen, um eine Abkühlung der Gliedmaßen zu unterstützen.
Zukünftige Forschung soll klären, wie viel Schutz wirklich sinnvoll ist und welche Materialien die richtige Balance zwischen Schutzwirkung und Kühlung bieten.
Ausblick
Die Forscher planen weitere Studien, um die Kräfte bei unterschiedlichen Arbeitsintensitäten zu ermitteln und zu prüfen, welche Materialien den Schutz maximieren, ohne Überhitzung zu riskieren.
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