
Magengeschwüre beim Pferd entstehen oft durch eine Kombination aus Fütterung, Training und Stress. Eine pferdegerechte Haltung mit ausreichend Raufutter, Ruhe und Sozialkontakt ist der wichtigste Schlüssel zur Vorbeugung. / Foto Pixabay
Magengeschwüre beim Pferd vorbeugen
10. Februar 2026
Aktuelles Praxiswissen nach Dr. Ben Sykes
Magengeschwüre gehören zu den häufigsten Gesundheitsproblemen beim Pferd. Aktuelle Untersuchungen zeigen: Ein erheblicher Teil der Freizeit- und Sportpferde ist betroffen – oft, ohne dass es sofort auffällt. Dr. Ben Sykes, ein international renommierter Tierarzt und Spezialist für Magen-Darm-Erkrankungen bei Pferden, gilt als einer der führenden Experten für equines Gastric Ulcer Syndrom (EGUS). In diversen Vorträgen und Veröffentlichungen im Jahr 2024 und 2025 hat er die neuesten Forschungsergebnisse und praktischen Erkenntnisse zusammengefasst, die zeigen, wie wichtig ein differenziertes Verständnis von Magenproblemen für das Wohlbefinden unserer Pferde ist. Er betont in seinem Vortrag eine klare Botschaft:
👉 Vorbeugung durch Haltung, Fütterung und Stressmanagement ist nachhaltiger als wiederholte Medikamentengaben.
EGUS ist nicht gleich EGUS
Unter dem Begriff EGUS (Equine Gastric Ulcer Syndrome) werden zwei unterschiedliche Erkrankungen zusammengefasst, die unterschiedliche Ursachen und Präventionsstrategien haben:
🟠 ESGD – Geschwüre der oberen (plattenepithelialen) Magenschleimhaut
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stark abhängig von Fütterung, Fresspausen und Training
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besonders empfindlich gegenüber Magensäure
🔵 EGGD – Geschwüre der drüsenhaltigen Magenschleimhaut
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weniger futterabhängig
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deutlich stärker stressbedingt
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oft komplexer in der Vorbeugung
Ein Pferd kann nur eine Form haben – oder beide gleichzeitig.
Die drei entscheidenden Hebel bei ESGD
Dr. Sykes benennt drei Faktoren, die für die Vorbeugung von ESGD zentral sind:
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Rauhfutter: Menge, Struktur und Zeitpunkt
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Nicht-strukturelle Kohlenhydrate (NSC): Menge pro Mahlzeit
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Bewegung: Dauer und zeitliche Einbettung
Praxis-Checkliste: Magenfreundliche Fütterung 🌾
✅ Ziel im Magen
Ein stabiler, schwimmender Rauhfutterballen, der:
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die empfindliche Schleimhaut schützt
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Magensäure puffert
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Säureschwappen reduziert
🟢 Rauhfutter – Basis jeder Prävention
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☐ Heu möglichst zur freien Verfügung
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☐ langstängelig, strukturreich
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☐ Zielmenge: ca. 1,5 % Trockenmasse / Tag
(≈ 2 % des Körpergewichts als Frischfutter) -
☐ mehrere kleine Portionen statt großer Pausen
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☐ Heu immer vor Kraftfutter
👉 Luzerneheu gilt als besonders geeignet bei ESGD, Grasheu ist eine gute Alternative.
🌱 Weidegang – hilfreich, aber nicht automatisch schützend
Weidegang kann positiv wirken, muss es aber nicht:
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trockene, strukturreiche Weiden → eher schützend
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sehr junges, wasserreiches oder zuckerreiches Gras → kann das Risiko erhöhen
Grund:
Bestimmte Weiden liefern viel Zucker, aber wenig Struktur. Im Magen entsteht dann eher ein „Zuckerbrei“ statt eines schützenden Futterballens – mit möglicher Schleimhautbelastung.
➡️ Weide ist kein Ersatz für gutes Rauhfutter.
🍬 NSC im Blick behalten – mit Augenmaß
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☐ pro Mahlzeit max. 1 g NSC pro kg Körpergewicht
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☐ besser: unter 0,5 g NSC/kg
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☐ betrifft vor allem Hochleistungspferde oder unausgewogene Rationen
Für viele Freizeitpferde ist NSC nicht der Hauptauslöser, solange:
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hochwertiges Rauhfutter im Vordergrund steht
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Kraftfutter sinnvoll dosiert wird
Praxis-Tipp:
Rübenschnitzel können helfen, das Risiko von ESGD deutlich zu senken – eine einfache und kostengünstige Ergänzung.
Training & Timing – unterschätzt, aber entscheidend 🏇
Beim Trab und Galopp steigt der Druck im Bauchraum – Magensäure gelangt leichter an empfindliche Schleimhautbereiche.
✔️ Empfehlungen nach Dr. Sykes:
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☐ durchschnittliche Trainingsdauer: unter 30–40 Minuten
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☐ Dauer ist wichtiger als Intensität
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☐ zügiges Abreiten und Abkühlen einplanen
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☐ nie auf nüchternen Magen trainieren
Besonders kritisch: frühes Morgentraining ohne vorherige Futteraufnahme.
➡️ Lösung:
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vor dem Training Heu oder Luzerne anbieten
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keine Pellets, Cobs oder kurzstängelige Alternativen
(sie fördern Kauen und Speichelbildung deutlich weniger)
EGGD: Wenn Stress der Hauptfaktor ist 🧠
Bei drüsenhaltigen Magengeschwüren steht weniger das Futter, sondern das Management im Fokus.
Praxis-Checkliste: Stress reduzieren
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☐ 2–3 echte Ruhetage pro Woche
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☐ konstante Bezugspersonen
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☐ klar strukturierter Tagesablauf
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☐ soziale Kontakte mit Artgenossen
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☐ Schmerzen konsequent abklären
(z. B. Sattel, Orthopädie, Zähne)
Dr. Sykes betont:
👉 Chronische Schmerzen sind Stress – und Stress kann EGGD fördern.
Unterstützung über Fütterung (begleitend)
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kohlenhydratreduzierte Ration
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Luzerneheu
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ggf. Öle, insbesondere Omega-3-Fettsäuren marinen Ursprungs
Mehr als Futter: Pferde brauchen Pferde 🐎❤️
Ein zentraler Punkt aus Sykes’ Vortrag:
Die soziale Isolation von Pferden gehört zu den größten Stressfaktoren moderner Haltung.
Kontakt zu Artgenossen, gegenseitiges Putzen, ruhige Stallatmosphäre – all das wirkt sich messbar auf die Magengesundheit aus. Nicht ohne Grund schreiben einige Länder inzwischen Sozialkontakt gesetzlich vor.
Fazit
Magengeschwüre entstehen selten „einfach so“.
Sie sind fast immer ein Spiegel von Fütterung, Tagesstruktur, Training und Stressniveau.
Die wichtigste Erkenntnis von Dr. Ben Sykes:
👉 Nicht immer weiter behandeln – sondern Bedingungen schaffen, unter denen Magengeschwüre gar nicht erst entstehen.
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