Soll man Pferde im Winter scheren oder nicht? — Eine evidenzbasierte Abwägung

6. Dezember 2025

Wenn die Nächte länger werden und Frost die Weiden küsst, rückt die Frage in den Mittelpunkt vieler Stallungen: Soll man Pferde im Winter scheren – oder besser nicht? Die Meinungen dazu gehen auseinander: Für manche ist das Scheren sinnvoll, um Trainingseffizienz und Pflege zu erleichtern. Andere plädieren für eine behutsame Schonung des Naturpelzes. Doch wie trifft man die richtige Entscheidung, wenn Temperaturen unter den Gefrierpunkt fallen und der Alltag von Reitern, Tierärzten und Stallbetreibern von Routine, Wetter und Gesundheit geprägt ist?

Warum das Thema aktuell relevant ist
Im Winter müssen Pferde drei zentrale Aufgaben zuverlässig erfüllen: Wärme, Beweglichkeit und Wohlbefinden. Das Winterfell bietet eine natürliche Isolationsschicht gegen Auskühlung. Gleichzeitig reguliert sich der Wärmehaushalt oft selbständig. Kalte, feuchte Stallluft, windige Weiden und längere Pausen im Training stellen diese Balance auf die Probe. Dort, wo intensiv trainiert wird oder Pferde stark schwitzen, rückt das Thema Scheren stärker in den Fokus.

Vorteile des Scheren im Blick
Schnellere Wärmeabgabe während des Trainings: Kürzerer Pelz kann helfen, die Belastung nach intensiver Anstrengung schneller zu senken.
Bessere Trocknung: Nach dem Training oder bei feuchtem Wetter trocknet das Fell schneller.
Sichtbarkeit und Pflege: Geschorene Hautpartien ermöglichen eine frühere Erkennung von Hauterkrankungen oder Parasiten; die Fellpflege wird überschaubarer.
Zeiteffizienz: Weniger Aufwand beim Abdecken und Trocknen nach dem Training – insbesondere in Frostnächten praktisch.

Nachteile und Risiken

  • Verlust der natürlichen Isolationsschicht: Besonders in offenem Stall, bei wenig Belüftung oder starkem Wind kann es schnell ungemütlich werden.
  • Sonnenbrand und Irritationen: Exponierte Hautpartien sind empfindlich; selbst kurze Sonneneinstrahlung kann problematisch sein.
  • Stressfaktor: Die Rasur ist eine Prozedur, die Pferde oft als belastend empfinden.
  • Abhängigkeit von Decken und Pflege: Ohne passende Decken und zusätzliche Pflege könnte der Nutzen durch weitere Maßnahmen aufgefressen werden.

Was sagt die Praxis?
Experten empfehlen eine individuelle Abwägung:

  • Offenstallhaltung, moderate Aktivität und gut belüftete Ställe sprechen häufig gegen eine Ganzkörper-Schur.
  • Bei regelmäßiger, intensiver Belastung oder starkem Schweißfluss kann eine Teil-Schur sinnvoll sein, ideal kombiniert mit Abschwitzdecken, um den Feuchtigkeitshaushalt zu steuern.

Wissenschaftliche Hinweise
Eine schwedische Studie zeigte: Geschorene Pferde geben Wärme besser ab und trocknen schneller; ungeschorene Pferde atmen unter gleicher Belastung tendenziell schneller, die Hauttemperatur bleibt jedoch stabiler. Diese Befunde unterstützen eine differenzierte Strategie statt eines generellen Ja oder Nein.

Praxisempfehlung für den Stall

  • Klima und Haltung evaluieren: Offenstall oder Boxen, Weidezeit, Luftfeuchtigkeit.
  • Training und Schweiß beobachten: Bei starkem Schweißfluss kann eine Teil-Schur sinnvoll sein.
  • Decken strategisch planen: Abschwitzdecken nach dem Training; Schutz gegen Kälte und Wind außerhalb der Stallzeiten.
  • Tierärztliche Beratung einholen: Bei Hautproblemen, Hauterkrankungen oder speziellen Felltypen ist fachliche Beratung ratsam.

Die Entscheidung, ob ein Pferd im Winter geschoren wird, hängt von vielen Faktoren ab – Klima, Stallkomfort, Trainingsumfang und individueller Gesundheit. Eine pauschale Empfehlung gibt es nicht; eine situative Lösung, die Wohlbefinden, Sicherheit und Leistungsfähigkeit des Pferdes in den Mittelpunkt stellt, ist ratsam.

 

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„Du triffst nicht auf ein Pferd zufällig. Es ist das Schicksal, das dich zu ihm führt.“

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