
Der Verlust eines geliebten Haustiers kann genauso tiefgreifend sein wie der Tod eines nahestehenden Menschen. / Foto iStock
Trauer kennt keine Artgrenzen: Wenn der Tod eines Haustiers krank machen kann
28. Januar 2026
„Es gibt keinen grundlegenden Unterschied zwischen Mensch und Tier in ihrer Fähigkeit, Freude und Schmerz, Glück und Elend zu empfinden“, schrieb Charles Darwin bereits im 19. Jahrhundert. Eine aktuelle Studie des irischen Psychologen Prof. Philip Hyland bestätigt nun eindrucksvoll, wie zeitgemäß diese Aussage ist – und stellt bestehende psychiatrische Leitlinien infrage.
In der im Januar 2026 in PLOS One veröffentlichten Studie untersuchte Hyland mit seinem Team Daten von 975 Erwachsenen aus Großbritannien, die Erfahrungen mit Trauer gemacht hatten. Im Fokus stand die Anhaltende Trauerstörung (Prolonged Grief Disorder, PGD) – eine psychiatrische Diagnose, die laut ICD-11 und DSM-5-TR bislang ausschließlich nach dem Tod eines Menschen gestellt werden darf.
Die Ergebnisse zeigen jedoch deutlich: Auch nach dem Tod eines geliebten Haustiers können Menschen klinisch relevante Formen anhaltender Trauer entwickeln.
Nach dem Verlust eines Haustiers erfüllten 7,5 % der Betroffenen die Kriterien für PGD – ein Wert, der nahezu identisch ist mit dem nach dem Tod enger Freunde, von Geschwistern oder sogar Partnern. Nur der Verlust eines Elternteils oder eines Kindes wies höhere Raten auf.
Besonders bemerkenswert: Jede fünfte befragte Person gab an, dass der Tod ihres Haustiers der schmerzhafteste Verlust ihres Lebens gewesen sei, selbst wenn sie zuvor auch den Tod nahestehender Menschen erlebt hatte. Die Trauersymptome – intensive Sehnsucht, emotionaler Schmerz, Schuldgefühle und Schwierigkeiten, den Verlust zu akzeptieren – zeigten sich unabhängig davon, ob ein Mensch oder ein Tier betrauert wurde, in gleicher Weise.
Hyland führt dies auf die außergewöhnlich enge Bindung zwischen Mensch und Tier zurück. Haustiere sind oft konstante Begleiter im Alltag, Quelle emotionaler Nähe und Verantwortung – ihr Verlust hinterlässt nicht nur Trauer, sondern auch eine schmerzhafte Leere. Besonders belastend kann zudem die Entscheidung zur Euthanasie sein, die häufig mit Schuld- und Schamgefühlen einhergeht.
Der Studienautor plädiert daher nachdrücklich dafür, Haustierverluste in die diagnostischen Kriterien der PGD aufzunehmen. Menschen Hilfe vorzuenthalten, nur weil sie „ein Tier und keinen Menschen“ verloren haben, sei wissenschaftlich nicht haltbar – und menschlich problematisch.
Die Studie macht deutlich: Trauer ist kein Privileg menschlicher Beziehungen. Wer ein geliebtes Tier verliert, kann ebenso tief leiden – und sollte dafür ernst genommen und unterstützt werden.
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