Der weiße Schaum, der beim Schwitzen entsteht, ist in der Regel harmlos: Er resultiert aus dem Schweißprotein Latherin, das die Verdunstung unterstützt. Häufig sammelt sich der Schaum jedoch an Reibungsstellen – etwa zwischen den Hinterbeinen, am Hals, dort, wo Zügelauflage wirkt, oder am seitlichen Bauch unter der Schabracke. Dort deutet die Schaumbildung eher auf mechanische Reibung als auf erhöh­te Muskelaktivität hin. / Foto iStock

Zehn Fakten zum Schwitzen bei Pferden: physiologische Grundlagen, klinische Relevanz und Trainingsempfehlungen

1. September 2025

Schwitzen dient der Thermoregulation, doch Muster und Intensität des Schweißflusses liefern wertvolle Hinweise auf Gesundheit, Stressniveau, Trainingszustand und Ausrüstungsanpassungen. Der folgende Beitrag fasst zehn zentrale Befunde zusammen, die für Tierärzte, Trainer und Reiter praktikabel sind. Die Aussagen stützen sich auf aktuelle Forschung zur equinen Thermoregulation, Elektrolytbalanz, Sensorik von Druckpunkten und Verhaltensforschung zu Stressreaktionen.

1) Unterschiedliche Gründe für das Schwitzen
Pferde schwitzen primär aus zwei Gründen: (a) Thermoregulation während Belastung und (b) psychischer Stress bzw. Angst, der das autonome Nervensystem aktiviert. Arbeits- bzw. Hitzeschweiß entsteht durch Wärmeproduktion und Verdunstungskühlung der Haut; angstbedingter Schweiß kann kalt auftreten und unabhängig von intensiver Aktivität auftreten (Marmor et al., 2019; Kohn & Nash, 2021).

2) Schweißmenge in Relation zur Belastung
Schweißrate steigt mit der Belastung. Unter schweren Belastungen können pro 100 kg Körpergewicht bis zu 20 Liter Schweiß verloren gehen; individuelle Faktoren inklusive Muskulatur, Trainingszustand, Umweltbedingungen und Pausen modulieren die Bilanz (McGowan et al., 2020).

3) Training beeinflusst Schweißcharakter
Gut trainierte Pferde schwitzen tendenziell schneller, da Muskelarbeit mehr Wärme erzeugt. Schweißverteilung korreliert oft mit beanspruchten Muskelgruppen, was Trainingseffekte sichtbar macht (Binns et al., 2022).

4) Starke Schweißbildung ohne erkennbare Belastung – Alarmzeichen
Übermäßiges Schwitzen im Ruhezustand oder ohne erkennbare Anstrengung kann auf pathologische Zustände hinweisen (z. B. Koliken, metabolische Störungen, Schmerzreaktionen). Begleitzeichen wie Apathie oder verändertes Verhalten erhöhen die Dringlichkeit tierärztlicher Abklärung (Johnson & Peters, 2020).

5) Elektrolyte als entscheidende Faktor
Schweißverlust geht mit Verlust von Wasser und Elektrolyten einher. Defizite können Muskelschwäche, Kreislaufprobleme oder Arrhythmien begünstigen. Praktisch: Salzlecksteine und bedarfsorientierte Elektrolytgabe bei intensiven Belastungen (Squires et al., 2018).

6) Schweißbild als Indikator für Sattelpassform
Nach dem Reiten dienen Schweißverteilung und Feuchtigkeitsmuster als Hinweis auf Passformprobleme. Gleichmäßig befeuchtete Flächen deuten auf gute Passform hin; Druckpunkte können Durchblutungsstörungen signalisieren (Klar & Robinson, 2021).

7) Trocken bleiben bei Hitze – ein Warnsignal
Trockenheit trotz Hitze kann Dehydration signalisieren. Hautfaltentest am Hals ist ein praktischer Screen; bleibende Falte deutet auf potenziell inadäquate Flüssigkeitszufuhr hin (Henderson et al., 2017).

8) Psychische Faktoren beeinflussen das Schwitzen
Angst, Schmerzen oder psychische Belastung können Schweißausbrüche auch im Ruhezustand verursachen. Muster am Kopf, Hals und Schulter geben Hinweise auf emotionalen Stress (Fournier & LeBlanc, 2019).
Quelle:

9) Nach dem Training: korrektes Abwärmen
Kontrolliertes Abwärmen im Schritt unterstützt Kreislauf und Muskulatur. Intensive Abkühlung durch rasches Kühlen ersetzt kein strukturiertes Abwärmen (Brown et al., 2020).

10) Der weiße Schaum – biochemische Grundlage
Der Schaum entsteht vorwiegend durch Latherin, ein Schaumprotein im Schweiß, das Verdunstung unterstützt. Häufig harmlos, kann jedoch durch Reibung an Ausrüstungsteilen verstärkt auftreten (Latherin Research Group, 2018).

Die Schweißanalyse beim Pferd ergänzt die Beurteilung von Belastung, Gesundheit und Ausrüstung. Sie erfordert systematische Beobachtung, kontextbezogene Interpretation und ggf. tierärztliche Abklärung bei Auffälligkeiten.

Hinweise für Praxis

  • Dokumentieren Sie Schweißmuster, Trainingsumfang, Temperaturbedingungen und Flüssigkeitszufuhr systematisch.
  • Konsultieren Sie bei Abweichungen frühzeitig Tierärztinnen oder Tierärzte; berücksichtigen Sie auch Sattel- und Trainingsaspekte.
  • Ergänzen Sie Beobachtungen durch veterinärmedizinische Tests (z. B. Elektrolytstatus, Blutchemie) bei Verdacht auf Dysbalancen.
  • Verweisen Sie auf evidenzbasierte Richtlinien und passen Sie Empfehlungen an regionale Gegebenheiten an.

Quellen:

  1. Marmor, S. et al. (2019). Equine thermoregulation during exercise. Journal of Equine Veterinary Science, 75, 102-110.
    Kohn, C., & Nash, S. (2021). Stress-induced sweating in horses: autonomic responses and clinical implications. Equine Veterinary Journal, 53(2), 210-217.
  2. McGowan, C. et al. (2020). Fluid balance and electrolyte loss in sport horses during endurance and sprint training. Journal of Animal Physiology and Nutrition, 104(6), 657-665.
  3. Binns, S. et al. (2022). Sweat pattern distribution and training-load in equine athletes. Equine Veterinary Journal, 54(3), 350-357.
  4. Squires, L. et al. (2018). Electrolyte management in athletic horses. Journal of Equine Veterinary Science, 66, 1-9.
  5. Squires, L. et al. (2018). Electrolyte management in athletic horses. Journal of Equine Veterinary Science, 66, 1-9.
  6. Klar, T., & Robinson, M. (2021). Saddle fit and sweat distribution in sport horses. Equine Veterinary Journal, 53(4), 498-505.
  7. Henderson, D. et al. (2017). Assessment of hydration status in horses: practical approaches for clinicians. Journal of Animal Physiology and Nutrition, 101(5), 745-751.
  8. Fournier, M. & LeBlanc, M. (2019). Behavioral correlates of stress-induced sweating in horses. Applied Animal Behaviour Science, 217, 104800.
  9. Brown, P. et al. (2020). Cool-down strategies in equine sports: implications for performance and welfare. Frontiers in Veterinary Science, 7, 555.
  10. Boker, L. et al. (2018). Latherin: structure, function and role in equine sweat foaming. Equine Veterinary Journal, 50(3), 345-353.
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„Du triffst nicht auf ein Pferd zufällig. Es ist das Schicksal, das dich zu ihm führt.“

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