Das Sehvermögen von Pferden beeinflusst den erfolgreichen Umgang maßgeblich. Unterschiede in der Wahrnehmung erfordern Training und Alltag mit Blick fürs Tier. Wenn wir erkennen, dass unser Blick die Welt anders sieht als der des Pferdes, schaffen wir eine tiefere Verbindung und fördern das Wohlbefinden unserer vierbeinigen Freunde. / Foto Pixabay

Das Sehvermögen von Pferden: Ein Blick auf die Unterschiede und ihre Auswirkungen auf das Training

4. November 2025

Das Sehvermögen von Pferden unterscheidet sich grundlegend von dem der Menschen, was erhebliche Konsequenzen für das Training und den Umgang mit diesen Tieren hat. Oft wird diese Tatsache ignoriert, obwohl sie entscheidend für das Verständnis des Verhaltens und der Reaktionen von Pferden ist.

Anatomie und Sehschärfe

Pferde haben eine spezielle Augenanatomie, die es ihnen ermöglicht, ein breites Sichtfeld zu haben. Ihre horizontale Pupille und die seitliche Anordnung der Augen bieten ihnen fast 360 Grad Sicht, jedoch mit Einschränkungen in der Sehschärfe. Während Menschen eine optimale Sehschärfe von 6/6 erreichen, rangieren Pferde zwischen 6/9 und 6/18. Dein Pferd nimmt also Details, welche du aus 9 Meter wahrnehmen kannst im besten Fall erst wahr, wenn es 6 Meter entfernt ist. Oder im schlechtesten Fall, siehst du die Details schon aus einer Entfernung von 18 Metern, dein Pferd aber erst bei einer Distanz von 6 Metern. Dies führt dazu, dass Pferde bis zu 200% näher am Objekt sein müssen, um dieselben Details wahrzunehmen wie ihr menschlicher Reiter.

Anpassungen zur Verbesserung der Wahrnehmung

Um ihre eingeschränkte Sehfähigkeit auszugleichen, zeigen Pferde verschiedene Verhaltensweisen: Sie heben oft den Kopf, weiten die Augen und spitzen die Ohren. Diese Anpassungen helfen ihnen nicht nur dabei, ihr Sichtfeld zu erweitern, sondern auch ihren Hör- und Geruchssinn besser zu nutzen. So können sie ihre Umgebung umfassender wahrnehmen.

Obwohl Pferde Schwierigkeiten haben, Details scharf zu sehen, sind sie in der Peripherie deutlich besser ausgestattet als Menschen. Ihr Bewegungssehen ist ebenfalls ausgeprägter; sie können selbst kleinste Bewegungen in ihrem Umfeld erkennen. Dies erklärt auch, warum sich Pferde manchmal erschrecken, während Menschen keine Gefahr wahrnehmen. Da sie Bewegungen hinter sich präzise registrieren können, aber nicht immer in der Lage sind, diese klar zu identifizieren, reagieren sie instinktiv als Fluchttiere.

Konsequenzen für das Training

Diese Unterschiede im Sehvermögen sollten unbedingt in das Training integriert werden. Es ist wichtig zu verstehen, dass das Pferd eine andere Realität sieht als der Mensch. Wenn du beispielsweise mit deinem Pferd arbeitest oder es an neue Umgebungen gewöhnst, solltest du berücksichtigen, dass es möglicherweise näher an einem Objekt sein muss, um es richtig wahrzunehmen.

Ein effektives Training sollte daher darauf abzielen, dem Pferd Zeit zu geben und es schrittweise an neue Situationen heranzuführen. Indem du die Wahrnehmung deines Pferdes respektierst und seine Bedürfnisse berücksichtigst, kannst du Vertrauen aufbauen und Ängste abbauen.

 

Das Verständnis des Sehvermögens von Pferden ist entscheidend für einen erfolgreichen Umgang mit diesen Tieren. Die Unterschiede in der Wahrnehmung erfordern Anpassungen im Training und im täglichen Umgang. Indem wir uns bewusst machen, dass unser Blick auf die Welt nicht mit dem unseres Pferdes übereinstimmt, können wir eine tiefere Verbindung aufbauen und das Wohlbefinden unserer vierbeinigen Freunde fördern.

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„Du triffst nicht auf ein Pferd zufällig. Es ist das Schicksal, das dich zu ihm führt.“

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