
Das Przewalski Pferd ist nach einer genetischen Untersuchung aus dem Jahr 2018 ein verwilderter Nachkomme der Botai-Pferde. Foto: Equus przewalskii Shinjang (https://commons.wikimedia.org/wiki/user:Srr)
Zwei Gene revolutionierten das Verhältnis von Mensch und Pferd
8. September 2025
Ein internationales Team geleitet von Forschenden des Center for Anthropology and Genomics of Toulouse hat die Gene identifiziert, durch die die Reiteignung der Pferde entscheidend verbessert wurde. Ein stärkerer Rücken und ein fügsameres Wesen versetzten diese Pferde in die Lage einen Menschen über längere Strecken zu tragen. Unter Leitung von Xuexue Liu und Ludovic Orlando wurde die DNA von 71 Pferden, die aus einem Zeitraum von mehreren Tausend Jahren stammten, untersucht. Die Forschung konzentrierte sich auf 266 genetische Marker, die Auswirkungen auf Verhalten, Körperform und Fortbewegung haben.
Eine erste züchterische Pionierleitung gelang vor rund 5000 Jahren. Die Menschen der Botai-Kultur hatten Pferde domestiziert und ihre Vermehrung gezielt beeinflusst. Sie legten vor allem auf ein freundliches weniger schreckhaftes Wesen Wert. Bei Säugetieren wird sowohl das Verhalten als auch das Angstniveau durch das ZFPM1-Gen reguliert. In dieser ersten Domestikationsphase wurde es durch gezielte Auswahl positiv beeinflusst. Das lässt die große Bedeutung erkennen, die ein zahmes und leichter zu handhabendes Pferd für die Menschen der Botai-Kultur hatte.
Allerdings ging es bei der Pferdehaltung der Botai noch nicht darum Pferde zu reiten sondern darum die Ernährung sicherzustellen. Zahme Pferde zu schlachten war weniger aufwendig als die schnellen Tiere zu jagen. Die Stutenmilch wurde ebenfalls verwertet, was Spuren auf Tonscherben belegen.
Geradezu revolutionäre Auswirkungen hatte in der zweiten Domestikationsphase die Selektion auf das GSDMC-Gen. Es beeinflusst die Skelettstruktur, die Anatomie der Wirbelsäule und die motorische Koordination bei Pferden. Tiere mit diesem Gen hatten geradere Wirbelsäulen. Sie besaßen mehr Kraft und bessere Koordination. Alles Eigenschaften die die Reiteigenschaften der Pferde verbesserten.
Innerhalb weniger Jahrhunderte stieg das GSDMC-Gen vor 4.750 bis 4.200 Jahren von kaum nachweisbaren Werten zu der dominanten Variante in der Pferdepopulationen auf. Gleichzeitig gelang es den Menschen die Vermehrung ihrer Pferde so zu steuern, dass sie den Zeitabstand zwischen zwei Generationen fast halbieren und rund 20 Prozent mehr Nachkommen mit dieser Mutation erhalten konnten. Diese Rückschlüsse auf die Generationenzahl gelangen durch die Radiokarbondatierung und DNA-Sequenzierung, so Ludovic Orlando.
Mit dieser genetischen Veränderung der Pferde wandelten sich auch die menschlichen Gesellschaften. Diese Pferde ermöglichten ihnen eine größere Mobilität und einen besseren und schnelleren Warentransport. Die Art der Kriegsführung änderte sich durch den Einsatz von Pferden und ebenso die Arbeiten im landwirtschaftlichen Bereich.
Die Forschenden waren erstaunt, dass sie keinen Hinweis auf die Bevorzugung bestimmter Fellfarben finden konnten. Offenbar hatte die Fellfarbe zu jener Zeit noch keinen entscheidenden Einfluss auf die Zuchtauswahl.
Barbara Schulte
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