Pferde, die in einem stabilen und artgerechten Umfeld aufwachsen haben laut neuerer Forschungsergebnisse eine ausgewogene sensorische und motorische Lateralität. Foto: Barbara Schulte

Die Krux mit der Schiefe

3. September 2025

„Reite dein Pferd vorwärts und richte es gerade!“ ist ein altbekannter Leitsatz. Diese Aussage geht davon aus, dass der Pferdekörper nicht gleichmäßig ist und dass im Bewegungsablauf eine mehr oder weniger ausgeprägte Schiefe zu erkennen ist. Hierzu gibt es sowohl eine Studie eines französischen Forscherteams der Ecole Nationale Vétérinaire d´Alfort als auch Forschungsergebnisse von Prof. Dr. Konstanze Krüger-Farrouj von der Hochschule Nürtingen-Geislingen.

Das französische Forscherteam hat 224 Sportpferde im Alter von 2 bis 20 Jahren mit hochempfindlichen Sensoren ausgestattet und in unterschiedlichen Bewegungsabläufen die Schiefe gemessen. Diese Messungen sollen die visuelle Bewertung des Bewegungsablaufs durch den Tierarzt objektiv unterstützen. Da auch gesunde Pferde eine gewisse Asymmetrie aufweisen, wurde ein Wert gesucht, der die Trennlinie zwischen als normal anzusehender Schiefe und einer krankhaften Ausprägung bis hin zur Lahmheit, darstellt. Die Sensoren wurden am Kopf, Widerrist, Becken und allen vier Röhrbeinen der Testpferde befestigt.

Bei einer großen Zahl der untersuchten Pferde wurde eine Lahmheit festgestellt, vorwiegend an den Vorderbeinen und davon etwas öfter am linken Vorderbein als am rechten. Wesentlich geringer waren Pferde mit Lahmheiten an einem der Hinterbeine vertreten. Nur 49 Pferde wurden als gesund eingestuft. Mit ihnen wurde dann auf Grund erneuter Messungen ein Wert ermittelt, der zwischen einer als normal anzusehenden und einer krankhaften Schiefe unterscheidet.

Die Forschenden stellten fest, dass fast alle Pferde eine gewisse Asymmetrie zeigen und verglichen es mit der Rechts- oder Linkshändigkeit beim Menschen, die normal und nicht krankhaft ist.

Prof. Dr. Krüger-Farrouj unterscheidet zwischen der natürlichen Schiefe, die angeboren und Folge körperlicher Asymmetrien ist, sowie der Lateralität, die nicht angeboren ist sondern sich durch äußerliche Einflüsse entwickelt. So hätten Pferde, die in einem stabilen und artgerechten Umfeld aufwachsen eine ausgewogene sensorische und motorische Lateralität. Dauerhaft überforderte oder gestresste Pferde würden zunehmend linksseitiger.

Laut Prof. Dr. Krüger-Farrouj habe das etwas mit der Reizverarbeitung im Gehirn zu tun. Bei emotional belastenden Situationen schalte sich die rechte Hirnhälfte ein, die die linke Körperseite regelt. Ständig unter Stress stehende Pferde würden Dinge vorzugsweise mit dem linken Auge betrachten oder das linke Vorderbein beim Grasen vorsetzen. Allerdings beeinflusse auch die Persönlichkeit des Pferdes seine Seitigkeit. Sehr emotionale oder besonders wachsame Exemplare neigten ebenfalls eher zur Linksseitigkeit.    Barbara Schulte

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„Du triffst nicht auf ein Pferd zufällig. Es ist das Schicksal, das dich zu ihm führt.“

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