Mimik der Pferde, Hofreitschule News

Die Studie zeigt eindrucksvoll, wie vielschichtig die Mimik von Pferden ist und wie wichtig es ist, den gesamten Gesichtsausdruck sowie das Verhalten im jeweiligen Kontext zu betrachten. / Foto Pixabay

Was uns die Gesichter von Pferden verraten

4. August 2025

Studie zur Mimikvielfalt 

Pferde sind bekannt für ihre Lautäußerungen wie Wiehern und Schnauben, doch neue Forschungen zeigen, dass ihre Mimik deutlich vielfältiger ist als bisher angenommen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Portsmouth haben herausgefunden, wie ausdrucksstark die Gesichtsmuskeln der Tiere tatsächlich sind – und was sie uns über ihre Gefühle und Absichten mitteilen können.

In ihrer Studie analysierten sie Videomaterial von 36 Pferden in verschiedenen sozialen Situationen – von freundlichen Begegnungen bis hin zu Konflikten. Mithilfe des sogenannten Equine Facial Action Coding Systems (EquiFACS), das einzelne Muskelbewegungen im Pferdegesicht exakt beschreibt, identifizierten die Forscher insgesamt 805 unterschiedliche mimische Ausdrücke, die 22 Verhaltensweisen zugeordnet werden können.

Was die Gesichtsausdrücke verraten
Die Ergebnisse zeigen, dass Pferde eine erstaunliche Vielfalt an Gesichtssignalen nutzen, um ihre Stimmung zu kommunizieren. Dabei sind die Signale oft subtiler, als viele Halterinnen und Halter vermuten würden. So kann beispielsweise das Fehlen offensichtlicher Mimik ein Zeichen für Wohlbefinden sein – allerdings sollte immer der gesamte Kontext berücksichtigt werden.

Die Forscher fanden heraus, dass Pferde je nach Situation unterschiedliche Gesichtsausdrücke zeigen:

Aggressives Verhalten: Die Ohren werden nach hinten gedreht und flach angelegt, die Augenbrauen heben sich, die Nüstern weiten sich, der Kopf wird gesenkt – klare Warnsignale vor Gefahr oder Streit.
Neugier und Aufmerksamkeit: Die Ohren richten sich nach vorn, werden zusammengeführt, die Pferde blinzeln häufiger und passen ihre Kopfhaltung an, um Reize besser wahrzunehmen.
Freundliche Interaktionen: In entspannten Momenten zeigen Pferde oft ein neutrales Gesicht – das Fehlen auffälliger Mimik kann auf Wohlbefinden hindeuten.
Spielverhalten: Beim Spielen öffnen Pferde das Maul weit, heben das Kinn an, drehen die Ohren nach hinten und liegen flach an – sogenannte „Spielgesichter“, die tief in der Evolution verwurzelt sind und auch bei Primaten vorkommen.

Neue Erkenntnisse: Ein bislang unbekannter Muskel
Besonders spannend ist die Entdeckung eines bislang unbekannten Muskelzugs im Gesicht der Pferde, bezeichnet als AUH21. Dabei spannt sich die seitliche Gesichtsmuskulatur (Platysma) an und hebt bestimmte Strukturen hervor. Dieses Signal könnte künftig helfen, Emotionen oder sogar Schmerzen bei den Tieren noch präziser zu erkennen – eine wichtige Grundlage für artgerechte Haltung und bessere Pflege.

Fazit:
Die Studie zeigt eindrucksvoll, wie vielschichtig die Mimik von Pferden ist und wie wichtig es ist, den gesamten Gesichtsausdruck sowie das Verhalten im jeweiligen Kontext zu betrachten. Das Verständnis dieser Signale kann dazu beitragen, den Umgang mit den Tieren zu verbessern und ihr Wohlbefinden zu fördern.

Mit diesen Erkenntnissen rückt eine bewusste Wahrnehmung der Körpersprache von Pferden noch stärker in den Fokus – ein Schritt hin zu mehr Empathie und artgerechter Haltung in der Zukunft.

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„Du triffst nicht auf ein Pferd zufällig. Es ist das Schicksal, das dich zu ihm führt.“

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