
Das Einreiten ist eine entscheidende Phase im Leben eines jungen Pferdes. Es sollte stets behutsam, ruhig und mit viel Geduld erfolgen, um das Tier nicht zu überfordern. Ein sanfter Einstieg fördert das Vertrauen zwischen Pferd und Reiter, reduziert Stress und legt den Grundstein für eine positive und erfolgreiche Zusammenarbeit.
Untersuchung zum Stress junger Pferde beim Beginn ihrer Ausbildung
23. Juli 2025
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Veterinärmedizinischen Universität Wien haben sich mit den Belastungen beschäftigt, denen junge Pferde in der Anfangsphase ihrer Ausbildung ausgesetzt sind, und wie sie damit umgehen. Während die Auswirkungen von Stressfaktoren wie Training, Transport und Wettkämpfen bei erwachsenen Leistungspferden gut dokumentiert sind, wurde den frühen Phasen der Pferdekarriere bislang weniger Aufmerksamkeit geschenkt. Diese Übergangszeit, insbesondere das Einreiten, gilt jedoch als besonders sensibel, da sie langfristige Folgen für das Wohlbefinden, das Verhalten und die Leistungsfähigkeit haben kann.
In einer aktuellen Studie untersuchten die Forscherinnen anhand von 41 Pferden im Alter von einem bis 20 Jahren, wie sich der Beginn des Reittrainings auf das physiologische Stressniveau auswirkt. Die Tiere wurden in zwei Gruppen eingeteilt: ungerittene Pferde, die seit ihrer Geburt Kontakt zu Menschen hatten und in Offenhaltung lebten, sowie Pferde in Ausbildung, die bereits unter dem Sattel standen. Zur Beurteilung des Stresslevels wurde die Konzentration von Cortisol-Metaboliten im Kot gemessen – eine Methode, die es ermöglicht, chronischen Stress ohne invasive Eingriffe zu erfassen.
Die Ergebnisse zeigten deutlich: Die ungerittenen Pferde wiesen signifikant niedrigere FCM-Werte auf als die trainierten Tiere. Besonders bei den Pferden im ersten Jahr des Reitens waren die Werte deutlich erhöht, was darauf hindeutet, dass diese Phase mit einer hohen Belastung verbunden ist. Mit zunehmender Erfahrung nahmen die Werte tendenziell ab, allerdings variierte die Reaktion stark zwischen den einzelnen Tieren. Dies deutet darauf hin, dass individuelle Faktoren wie Temperament oder frühere Erfahrungen eine Rolle spielen.
Die Studie bestätigt somit, dass das Einreiten eine kritische Phase darstellt, in der Pferde erheblichen Stress erleben können. Daraus ergeben sich wichtige Schlussfolgerungen: Es ist notwendig, Trainingsmethoden individuell anzupassen und behutsam vorzugehen. Auch sollte auf eine möglichst stressarme Gestaltung der Haltung geachtet werden. Ziel muss sein, den Einstieg ins Reiten so schonend wie möglich zu gestalten – sowohl zum Wohle der Tiere als auch für ihren langfristigen Erfolg.
Diese Untersuchung hebt hervor, wie bedeutend es ist, das mentale Wohlbefinden junger Pferde frühzeitig zu überwachen und entsprechend zu berücksichtigen. Die Verwendung von nicht-invasiven Biomarkern wie FCMs bietet dabei wertvolle Einblicke in ihre Belastungsreaktionen und kann helfen, Trainingsprozesse noch tiergerechter zu gestalten.
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