Hör auf deine Intuition!?

12. September 2022

Hast du auch schon einmal das Gefühl gehabt, dass es deinem Pferd nicht gut geht? Oft hat man ein Bauchgefühl, dass irgendetwas nicht stimmt – und tatsächlich ist diese Intuition oft der früheste Hinweis auf eine Krankheit, dem man nachgehen sollte! Auch wenn die Veränderungen schwer zu beschreiben sind. „Ich hätte mich sehr gefreut, wenn der Besitzer oder die Besitzerin des Pferdes mir die Symptome besser beschreiben könnte“, so Dr. Thomas Greming, „aber leider habe ich die Erfahrung gemacht, dass die Leute ihre Tiere einfach gar nicht kennen.“

Das Erkennen von Krankheiten in einem frühen Stadium kann eine rasche und gezielte Behandlung ermöglichen, die Heilung beschleunigen und die Heilungschancen deines Pferdes erhöhen.

10 Warnsignale, dass mit deinem Pferd etwas nicht stimmt:

  1. Ungewöhnliches Verhalten
    Wenn Du auf dein Pferd achtest und beobachtest, was für es normal ist, wirst du leichter erkennen, wenn sein Verhalten nicht normal ist. Es reicht allerdings nicht, wenn du es nur gelegentlich besuchst, um ihm ein Leckeli zu geben, oder um es zu reiten. Nur wer mit seinem Pferd wirklich „verbunden“ ist, wird auch verstehen, was es dir sagt.
     
  2. Verminderter oder fehlender Appetit
    Ein veränderter Appetit, ob auf Kraftfutter oder Heu oder beides, ist ein deutlicher Indikator dafür, dass etwas nicht stimmt. Wenn dein Pferd normalerweise 15 Minuten braucht, um seine Kraftfutterration zu verputzen, es jetzt aber mit einigen Pausen und ein bisschen Herumlaufen 45 Minuten dauert, oder wenn es sein Heu nicht so energisch frisst wie sonst oder ungewohnt wählerisch ist – dann solltest du dem nachgehen.
     
  3. Änderung des Mistverhaltens
    Wenn die Ernährung deines Pferdes konsistent ist, sollte es jeden Tag die gleiche Art und Menge an Mist hinterlassen. Sei beim Misten aufmerksam: Wenn du im Stall keinen Kot finden kannst (explizit nach Entwurmung!), ist das nicht normal und könnte auf eine Verstopfung hindeuten. Ebenso könnte zu häufiges Misten oder weicher Kot auf eine Störung der relativ fragilen Mikroflora des Magen-Darm-Trakts hindeuten. Dabei können kurze Veränderungen normal sein. Vielleicht ist dein Pferd gestresst? Aber Veränderungen, die Stunden oder Tage andauern, solltest du ernst nehmen und bitte schnell darauf reagieren!
     
  4. Durchfall
    Durchfall kann in sehr kurzer Zeit von nicht allzu schlimm zu sehr schlimm werden, und ein frühzeitiges Eingreifen ist sowohl für das Pferd als auch für den behandelnden Tierarzt oder Therapeuten von Vorteil.
     
  5. Lethargie, Inaktivität und Trennung von der Gruppe
    Lässt dein Pferd seinen Kopf längere Zeit tiefer hängen, sind seine Ohren etwas weniger aufgerichtet als sonst und seine Augen nicht ganz so offen und strahlend wie gewöhnlich? Oder braucht dein Pferd unter dem Sattel vielleicht etwas zusätzliche Ermutigung, um in Fahrt zu kommen? Beobachte dein Pferd und du kannst vielleicht erkennen, ob es ihm gut geht. Auch das Verhalten auf der Weide zeigt dir, ob sich dein Pferd wohlfühlt.

    Tipp: überprüfe regelmäßig deine Ausrüstung! Passen Sattel und Zaum noch?
     

  6. Fieber
    Wenn du das Gefühl hast, dass mit deinem Pferd etwas nicht stimmt, solltest du mit einem digitalen Thermometer die Temperatur messen. Wenn diese bei einem erwachsenen Pferd über 38,4 Grad Celsius liegt, oder deutlich darunter, hast du wahrscheinlich ein Problem. Beachte jedoch, dass Umweltfaktoren wie extreme Hitze diese kritische Temperaturgrenze leicht erhöhen können.
     
  7. Zu schneller Atem
    Lege dein Ohr an die Nase oder die Brust deines Pferdes und zähle die Anzahl der Atemzüge 15 Sekunden lang. Multipliziere diese mit vier, um die Rate pro Minute zu erhalten. Die meisten gesunden Pferde sollten im Ruhezustand weniger als 20 bis 24 Atemzüge pro Minute haben.
     
  8. Erhöhter Pulsschlag
    Du kannst den Puls des Pferdes entlang bestimmter Blutgefäße messen, z. B. in der Fessel oder unter dem Kiefer. Zähle die Anzahl der Schläge, die du in 60 Sekunden spürst, und vergleiche diese mit dem gesunden Durchschnitt: etwa 28 bis 44 Schläge pro Minute bei einem ruhenden erwachsenen Pferd.
    Denke jedoch daran, dass die Vitalwerte der einzelnen Pferde variieren – mache dich also damit vertraut, welche Werte für dein Pferd normal sind, wenn es gesund ist.

    Ein Tipp: führe ein Tagebuch im Training. Nach der „Arbeit“ ist die Temperatur erhöht, das ist normal, aber sie darf nicht dauerhaft erhöht sein.
     

  9. Gewichtsverlust und Veränderung des Körperzustands
    Kommt es dir so vor, als ob dein Pferd dünner wird? Kannst du allmählich die Rippen immer deutlicher sehen? Dahinter könnte echter Gewichtsverlust stecken, oder es hat Muskelmasse verloren, insbesondere über der Oberlinie, die den Anschein von Gewichtsverlust erweckt.
    Diese Art von Muskelatrophie fällt mit Krankheiten zusammen, die hauptsächlich auf Probleme mit dem Proteinstoffwechsel verweisen. Da diese im Laufe der Zeit auftreten, sind sie für dich möglicherweise schwieriger zu erkennen, da du das Pferd regelmäßig siehst.  Hier kann es durchaus hilfreich sein, die Meinung eines Außenstehenden einzuholen.  

    Tipp: Eine noch nützlichere Überwachung ist aber die Fotografie. Mache regelmäßig Fotos aus dem gleichen Winkel und bei der gleichen Beleuchtung, um so schleichende Veränderungen des Körperzustands deines Pferdes zu verfolgen und zu bemerken.
     

  10. Veränderung der Fellqualität
    Wenn das Fell deines Pferdes ein wenig rau oder stumpf aussieht oder wenn die Haare im Vergleich zu den Vorjahren stärker ausfallen oder dünner werden, sind das Anzeichen dafür, dass etwas nicht stimmt. Stoffwechselstörungen wie das Cushing-Syndrom können Fellprobleme verursachen. Fellprobleme sollte man niemals ignorieren, da sie mit einer Vielzahl von inneren Krankheiten zusammenhängen können.

    Pferdepsychologin Karola Bady warnt:Wenn Du am Zustand von Fell sehen willst, ob ein Pferd verwurmt ist, grenzt das schon an Hellseherei. Am Fell sehe ich persönlich zwar, ob die Ausscheidungsorgane ok sind, aber ich bin auch in Übung.“

 

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